Posturologie – Wechselwirkung von Körperhaltung und Wohlbefinden
Posturologie ist die medizinische Lehre der Körperhaltung (postura = Haltung, logos = Lehre) – und ihres Einflusses auf Körperfunktion, Wohlbefinden und Schmerzgeschehen. Viele chronische Verspannungen, Rücken- oder Nackenschmerzen sowie diffuse Beschwerden haben ihren Ursprung nicht im einzelnen Muskel oder Gelenk, sondern im komplexen Zusammenspiel unseres Haltungssystems.
Unsere Haltung wird ununterbrochen durch Reize aus dem Körper und der Umwelt reguliert – über Sensoren in den Füssen, den Augen, im Kiefer, in Haut, Muskeln, Faszien und Gelenken. Wenn diese Sensorik aus dem Gleichgewicht gerät – zum Beispiel durch Narben, Fehlstellungen, Stress oder alte Verletzungen – passt sich der Körper an. Doch über längere Zeit entstehen daraus Fehlhaltungen, Verspannungen und funktionelle Störungen.
Was macht Posturologie?
In der posturologischen Sprechstunde werden Haltung und Haltungssensorik ganzheitlich untersucht und analysiert – inklusive:
- Anamnese
- Körperliche Untersuchung mit
- Haltungsanalyse
- Analyse der Augenmotorik
- Analyse des Zahn-Kiefer-Apparates
- Computergestützte Fussdruckmessung
- Fotodokumentation der Haltung
Darauf aufbauend erfolgt die individuelle Anpassung posturologischer Spezialsohlen, kombiniert mit gezielten Augenübungen oder weiteren ergänzenden Massnahmen (z. B. Narbenentstörung, Atemtechniken, ggf. Beissschiene).
Ziel ist es, das Haltungssystem wieder in sein Gleichgewicht zu bringen – und damit Schmerzen, muskuläre Spannungen und Fehlbelastungen nachhaltig zu lindern.
Frühkindliche Reflexe und Haltung
Im Rahmen der posturologischen Diagnostik werden auch frühkindliche Reflexmuster mitberücksichtigt. Diese automatischen Bewegungsabläufe bilden die Basis unserer Motorik. Sind sie nicht vollständig integriert (z. B. durch fehlende Reize in der Kindheit oder Reaktivierung nach Trauma oder Unfall), können sie langfristig Haltungsasymmetrien und muskuläre Dysbalancen verursachen. Die gezielte Analyse und Behandlung dieser Reflexe ist ein wichtiger Bestandteil des ganzheitlichen Ansatzes in der Posturologie.
Häufig gestellte Fragen
Wobei kann Posturologie helfen?
Posturologische Behandlungen können hilfreich sein bei:
- Spannungsbedingten Kopfschmerzen
- Chronischen Rücken-, Nacken- oder Gelenkschmerzen
- Verspannungen ohne klare orthopädische Ursache
- Becken- oder Schulterschiefständen
- Haltungsbedingten Bewegungseinschränkungen
- Schwindel, Konzentrationsproblemen oder muskulärer Ermüdung
- Beschwerden mit Bezug zu Fussfehlstellungen, Kieferproblemen oder Sehstörungen
Wie funktioniert die posturologische Sohlenbehandlung?
Die individuell angepassten Spezialsohlen enthalten sogenannte Resonatoren, die gezielt sensorische Signale an das Nervensystem senden – unabhängig von der Körperposition. Diese wirken ausgleichend auf die muskuläre Spannung, verbessern die Haltung und lindern damit spürbar Beschwerden. Bei Bedarf werden die Sohlen zusätzlich mit Relieferhöhungen angepasst.
Wie lange trage ich die Sohlen?
Die Sohlen sollen täglich getragen werden – vom Aufstehen bis zum Schlafengehen, in allen Alltagsschuhen ohne vorgeformtes Fussbett. Die Eingewöhnung erfolgt schrittweise über mehrere Wochen. Nach ca. 12 Monaten erfolgt ein Austausch der Sohlen, angepasst an die aktuellen Haltungsmuster.
Was kostet die Behandlung?
- Sohlenpreis: ca. 248 CHF
- Anamnese, Untersuchung, Fussdruckmessung und Sohlenanpassung erfolgen im Rahmen der ärztlichen Sprechstunde und werden über die Grundversicherung (TARMED) abgerechnet.
Die individuell angepassten Sohlen können von komplementären Zusatzversicherungen übernommen werden. - Franchise und Selbstbehalt richten sich nach Ihrer Versicherungspolice
Wie melde ich mich zur posturologischen Sprechstunde an?
- Die Anmeldung erfolgt telefonisch oder per E-Mail über das Medizinische Ambulatorium in Heiden. Wenn Sie im Hausarzt-, HMO- oder Telmed-Modell versichert sind, ist eine entsprechende Überweisung erforderlich. Für eine gute Vorbereitung bitten wir um die Zusendung relevanter medizinischer Unterlagen und Bildgebung (z. B. MRI, CT, Röntgen).

